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Von Andreas Böhme, RNZ Stuttgart
Stuttgart. Begleitet vom Pfeifkonzert einer überschaubaren Gruppe von S-21-Gegnern und zwei Hundertschaften der Polizei haben am Montag die Abrissarbeiten am Südflügel des alten Bahnhofs begonnen. Stell dir vor der Südflügel wird abgerissen, und kaum keiner geht hin. Nur wenige Demonstranten verfolgten den Start der Abrissarbeiten, als kurz nach 15 Uhr der erste Stein aus dem Südflügel gebrochen wurde. Der 110 Tonnen schweren Bagger, ein Prototyp mit 36 Meter langem Ausleger, frisst sich jetzt langsam Richtung Hauptgebäude vor; in etwa acht Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Kurz zuvor hatte der Mannheimer Verwaltungsgerichtshof einen Eilantrag gegen den Abriss verworfen, der Enkel des Erbauers Paul Bonatz hat damit erneut eine gerichtliche Niederlage erlitten. Der VGH warf dem Kläger vor, mit seinem Verlangen nach einem Baustopp bis zuletzt gewartet zu haben, obwohl der Rückbau bereits seit 2005 genehmigt ist.
Kaum stärkeren Widerhall fand eine Blockade der Zufahrt am frühen Montagmorgen. Rund 100 Neubaugegner verließen die Baustelle bereits nach Aufrufen der Polizei freiwillig, etwa 30 Personen mussten weggetragen werden. Die Beamten sind mit zwei Hundertschaften im Einsatz, von denen allerdings immer nur ein Teil vor Ort ist. Am Gleis 16, das unmittelbar an den Südflügel angrenzt, herrscht sogar normaler Bahnbetrieb.
Der Abrissstart belegt ein weiteres Zerwürfnis in der Regierungskoalition. Der Vize-Fraktionschef der Grünen, Andreas Schwarz, hatte am Wochenende noch verkündet, es sei "Konsens und Absprache mit der SPD, dass es nur einen Polizeieinsatz" gebe für den Abriss des Südflügels und die Räumung des Parks. Das SPD-geführte Innenministerium, dass diesen Einsatz verantwortet, hatte unmittelbar widersprochen, auch Claus Schmiedel, Fraktionschef der Sozialdemokraten, verwies auf die Zuständigkeiten: Wie die Polizei vorgehe, bestimme schließlich nicht die Politik, das entscheide die Polizeiführung allein, schließlich "leben wir in einem Rechtsstaat", so Schmiedel.
Die Polizei hatte im Vorfeld auf ihren Facebook- und Twitter-Seiten im Internet erklärt, dass es im Januar keinen weiteren Einsatz zum Schutz der Baumumsetzungen und -fällungen geben wird. Wann die Rodungen für die Baugrube genau beginnen, stehe noch nicht fest, auch über einen Eilantrag des BUND gegen die Aufhebung des Fällverbots muss der VGH noch entscheiden. Zunächst allerdings muss die mit Zäunen, Paletten und Absperrbaken verbarrikadierte Zeltsiedlung geräumt werden.
Ebenfalls bei nur geringem Interesse der Gegner hat am Montag die Anhörung für den Bau des Fildertunnels begonnen. Er führt die Züge vom neuen Bahnhof aus dem Talkessel heraus zum Flughafen. Die Bahn hatte die ursprüngliche Planung der beiden knapp zehn Kilometer langen Röhren geändert, unter anderem will sie eine Tunnelbohrmaschine einsetzen und mehr Querstollen für Notfälle bauen.
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Der Artikel erschien am 30.01.2012, um 19:52
Letzte Änderung am 30.01.2012, um 20:52
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