Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja

Von Klaus Welzel

Heidelberg. Die Rhein-Neckar-Zeitung startet mit einem neuen journalistischen Format: dem RNZ-Trend. Von Zeit zu Zeit befragen wir Leser in der Region nach ihren politischen Ansichten; zugleich kommen lokale und regionale Themen zum Zug. Den Anfang macht die Region Mosbach.

Eigentlich waren die Fragebogen so angelegt, dass nur vorgegebene Antworten angekreuzt werden konnten. Doch die RNZ-Leser sind so meinungsfreudig, dass ein Großteil der 518 Befragten weitere Bemerkungen einfügte. So vor allem bei der Frage nach den Wutbürgern. Wir wollten wissen, ob Sie es richtig finden, wenn sich nach dem Beispiel des Stuttgarter Hauptbahnhofs Bürger kommunalpolitisch engagieren und durchaus versuchen, ein großes Bauprojekt zu verhindern. Die überraschend eindeutige Antwort: 62 Prozent der Befragten finden es richtig, wenn die Bürger sich einmischen. Und sehr viele Leser fügten Bemerkungen hinzu, wie diese: "Man sollte bei so großen und teuren Projekten die Bürger vorher fragen und nicht erst, wenn es für ein Ja oder ein Nein schon zu spät ist". Nur so könnten Bürgerinitiativen überflüssig werden. Mehrmals kam auch die Anregung, Bürger stärker an parlamentarischen Verfahren zu beteiligen.

Einige Leser äußerten dagegen Bedenken, dass gerade das "Wutbürgertum" sehr schnell zur Ausgrenzung Andersdenkender führen könne. Das habe man gerade am Beispiel von Stuttgart 21 beobachten können.

Nicht ohne Grund haben wir den Start unserer Serie RNZ-Trend dem Thema Landespolitik gewidmet. So wollten wir wissen, ob die RNZ-Leser mit der Politik der grün-roten Landesregierung zufrieden sind. Die Antwort fiel - erwartungsgemäß - differenziert aus. Der hohe Anteil an Lesern, die sich in dieser Frage noch kein Urteil erlauben wollten, zeigt, dass anders als so oft behauptet, vor der Meinungsbildung die Information steht.

Vergleicht man andererseits die Gruppe von 40 Prozent der unzufriedenen Befragten mit der Gruppe, die im Fall einer Bundestagswahl am kommenden Sonntag CDU wählen würde (41 Prozent), so liegt der Verdacht nahe, dass parteipolitische Wahrnehmung und Zufriedenheit mit der grün-roten Landesregierung eng zusammenhängen.

Und so sieht der Vergleich zwischen der RNZ-Sonntagsfrage und dem Ergebnis der Bundestagswahl 2009 aus: Läge die CDU heute bei 41 Prozent, so waren es 2009 noch 42 Prozent. Die SPD hätte sich von 18,5 auf 26 Prozent deutlich verbessert. Die Grünen kletterten von 9,2 auf 16 Prozent. Ein herber Verlust für die FDP, die von 16,9 auf 3 Prozent der Stimmen fallen würde. Von der Piratenpartei war bei der Bundestagswahl 2009 zwar noch nicht groß die Rede; doch auch sie hätte sich von 1,8 auf 6 Prozent der Stimmen steigern können. Die Linke wiederum würde von 6,9 auf 2 Prozent fallen. Bezieht man das Ergebnis des RNZ-Trend auf die derzeitigen Umfragen der großen Meinungsforschungsinstitute im Bundesgebiet, so gibt es lediglich bei der Union (36) und der Linkspartei (6) eine deutliche Abweichung. Die anderen Parteien werden hier wie dort ähnlich beurteilt.

Eine Frage, die uns in der Nähe des ersten abgeschalteten kommerziellen Atomkraftwerkes (in Obrigheim) besonders interessierte, war die nach dem Atomausstieg. Aus der Not (Fukushima) geboren, stößt er auf eine erstaunliche Akzeptanz: 52 Prozent der RNZ-Leser finden den Ad-hoc-Beschluss von Bundeskanzlerin Angela Merkel richtig. 36 Prozent lehnen ihn ab und 31 Prozent haben dazu keine abgeschlossene Meinung.

Der Atomausstieg ist auch ein Thema, das unsere Leser über die allgemeine Fragestellung hinaus beschäftigte. Auf zahlreichen Einsendungen fand sich die Bemerkung, die Akzeptanz des Ausstiegs hänge letzten Endes von den Kosten ab. Sprich: Wenn die soziale Balance gewahrt bleibt, wird "Öko-Strom" ebenso akzeptiert, wie aus der Atomenergie gewonnener Strom.

Info: Grafik zum Thema in der Bildershow. Der RNZ-Trend wird am Dienstag fortgesetzt.

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Von leser1 am Montag, 06.02.2012 um 20:57 Uhr
Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja
Ihr Titel Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja.
Zu spät! Beide sind da. Sie wurden entsprechend mobililisiert und wir werden es noch zu spüren bekommen.
Und dass der 10.000 km entfernte Tsunami manchen Menschen in Deutschland das Gehirn aus der Schale gespült hat, war auch zu befürchten.

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Von Leser am Dienstag, 07.02.2012 um 08:05 Uhr

Re: Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja
Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja

Gut, dass es in einer Demokratie noch ein paar Menschen gibt, bei denen etwas zu spülen ist!
Es freut mich auch, dass seit dem Tsunami nicht mehr so viele nach dem Prinzip "nach mir die Sintflut" handeln und wählen.
Wunderbar gefälllt mir auch in der letzten Tortengrafik das kleine Eckchen in gelber Farbe, da hat die Sintflut wirklich reinigende Arbeit geleistet.


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Von Kartoffelsalat am Dienstag, 07.02.2012 um 08:27 Uhr
Grün-Rot Nein, Wutbürger Ja
Wir brauchen keine Wutbürger, sondern Mutbürger.
Bewegen anstatt verhindern.

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Der Artikel erschien am 04.02.2012, um 10:51
Letzte Änderung am 04.02.2012, um 11:51


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