Sinn Sie nädd aus Cincinnati? Sinn Sie aus Sinse?

Der Blumepeter ist ein echtes Original und steht wie kaum ein anderer für den Kurpfälzer an sich und seinen Dialekt. In Mannheim wurde ihm ein Denkmal gesetzt. Foto: Alfred Gerold
Der Blumepeter ist ein echtes Original und steht wie kaum ein anderer für den Kurpfälzer an sich und seinen Dialekt. In Mannheim wurde ihm ein Denkmal gesetzt. Foto: Alfred Gerold

Vum Wieschte Peter

Kurpfalz. Eins ist sicher: Schwätzen tun sie zwar fast alle irgendwie ein bisschen unterschiedlich, und jeder so, wie ihm der Schnawwl (Schnabel) gewachsen ist. Wenn der Hendsemer (Handschuhsheimer) ebbes babbelt (etwas sagt), dann klingt das in Details schon anders, als wenn der Ebbla (Eppelheimer) die Gosch uffmeschd (den Mund öffnet). Wenn man sich auskennt, dann hört man also ziemlich genau, wo sie herkommen, die einzelnen Kurpfälzer.

Jedes Dorf hat schließlich irgendwann einmal in grauer Vorzeit seinen eigene Dialekt entwickelt. Aber egal, wo sie zu Hause sind: Verstehen tun sie das, was der andere sagt, allemal.
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Info:
Der 21. Februar ist der "Internationale Tag der Muttersprache". Mit der die UNESCO sprachliche und kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit fördern will. 

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Denn Schriesemer (Schriesheimer) und Plängschder (Plankstadter), Diljemer (St. Ilgener) und Neggabischessemer (Neckarbischofsheimer), Dielemer (Dielheimer) und Woinemer (Woinemer) - sie alle haben eine gemeinsame Heimat, die Kurpfalz eben. Und "Kurpälzisch" ist für sie ihre Staatssprache - wie überall in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar: "Des glaaabsch awwa" ("Das kannst du aber ruhig glauben") und "Dess soll awwa woor sai" ("Das soll aber wahr sein!).

Also versteht man sich auch und erkennt sich als Kurpfälzer - "dahääm" (zu Hause) ebenso wie in den entlegensten Winkeln dieser Welt. "Ach Godd", entfährt es überrascht dem Touristen aus Heidelberg dann beim Trip durch den Osten der USA, als er einen Landsmann von daheim trifft. "Sinn Sie nädd aus Cincinnati?" Und er fügt lächelnd an: "Sinn Sie aus Sinse - ehrlisch?"

"Hajoo", kommt dann die Antwort, "isch wohn in Sinse, awwa eigentlisch kumm isch aus Ebbällä. Mai Fraa hewwisch in Meggse uff da Kerwe kenne geländ, die isch aus Hoffe, un dann simma halt doohie gezougä - heer!", erzählt der Gegenüber in klaren und unmissverständlichen Worten "awwl hoddisch mool" (eben mal schnell) seine Lebensgeschichte: Eigentlich kommt er aus Eppelheim; seine Frau hat er in Meckesheim auf der Kerwe kennen gelernt; die kommt aus Hoffenheim, und da sind sie dann halt nach der Heirat hingezogen.

Untermalt wird das alles üblicherweise mit dem Kurpfälzer Ur-Laut schlechthin: Einem kräfigen "Heer!" oder auch "A heer!". Das heißt so viel - oder so wenig - wie "aber hallo", manchmal auch "hoppla" - oder einfach "aufgepasst jetzt" beziehungsweise "uffbasse!", wie der Kurpfälzer selbst sagen würde. Und da erlaubt der sich - ganz Schelm, der er nun mal ab und an ist - auch mal einfach so ein Wortspiel: "Ä ganzes Heer vunn Eichelheer war hinna ma heer, heeer!", sagt er dann, um mitzuteilen, dass gestern auf dem Feld ein ganzes Heer von Eichelhähern hinter ihm her war - allaa guud!

Geben Sie es ruhig zu: Auf Kurpfälzisch klingt das alles einfach edler, präziser, sinnführender und vor allem auch authentisch. Was ist das doch für eine feine Sprache, die hier bei uns gesprochen wird - wenn man sie beherrscht. Denn "Reigeblaggde" (Zugereiste) lernen sie anscheinend irgendwie nie richtig.

Schade, wirklich schade! Denn wie herrlich kann man doch auf Kurpfälzisch die Dinge auf den Punkt und dazu auch noch wundervolle lautmalerische Gemälde zustande bringen, die kein anderer Dialekt dieser Welt so zu bieten hat. "Sehe Sie die Wegg seddannä?", fragt da der Kurpfälzer in der Bäckerei die Verkäuferin, ob sie die Brötchen dort hinten im Regal erblickt. "Gewwä Sie ma vunn dennä zwee, unn dann noch drei vunn dennä annere Wegg, wu Sie die ledsch Woch ghabt hawwe." "Ach Godd, die annere Wegg sinn schunn wegg", antwortet die junge Frau achselzuckend,. "Ach du liewe Leid, wer war dann doo doo?", staunt der Kunde. "Dess woaß isch nimmie. Ss'gibbd halt viel zu viel Leidd in da Welt", lautet die Antwort.

Auch ohne Übersetzung ist das doch alles eigentlich vollkommen klar - oder? Manchmal allerdings sind die Dinge dann doch nicht ganz so klar. Denn sogar das eigentlich einfach gestrickte Kurpfälzisch lässt gelegentlich unterschiedliche Interpretationen und sogar ein unterschiedliches Verständnis ein und desselben Satzes zu. Fragt ein Kurpfälzer etwa ein Kind "Wemm kehrsch'in Du?", dann ist noch eindeutig, was er wissen will. "Wem gehörst denn du?", also "Wer sind Deine Eltern?" (Ja, in der Kurpfalz gehören Kinder noch den Eltern!). Stellt er aber an zwei Menschen gleichzeitig die Frage "Kehrda zamme?", so ist die Antwort je nach Situation nicht so einfach. Entweder will er nämlich wissen, ob die beiden ein Paar sind ("Gehört ihr zusammen?"), oder aber es interessiert ihn, ob sie gemeinsam den Dreck wegfegen ("Kehrt ihr zusammen?").

Wem so was zu kompliziert erscheint, der sollte sich nicht grämen. Ganz so wichtig ist das alles nämlich letztlich auch wieder nicht. Dem gemeinen Kurpfälzer an sich sind Dinge, die zu kompliziert zu werden drohen, sowieso irgendwie suspekt. Und deshalb denkt er vorsichtshalber gar nicht weiter drüber nach. Denn das würde dann am Ende doch nur schaden und ihn vielleicht sogar aus der Fasson bringen - was für einen echten Kurpfälzer die schlimmste aller Vorstellungen ist.

Auch deshalb ist den Menschen, die von hier kommen und die hier leben, ein Motto gemeinsam und steht für sie über allem anderen: "Bevor isch misch üwwa was uffreeg, isses mir dann doch liewa egal." ("Bevor ich mich über etwas all zu sehr aufrege, ist mir das Ganze dann doch lieber egal"). Ja, so sind sie halt, die Kurpfälzer - allaa guud, heer!

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Von Kurpelzer mädel am Donnerstag, 23.02.2012 um 10:32 Uhr
Sinn Sie nädd aus Cincinnati? Sinn Sie aus Sinse?
schääner Beitrag. Endlisch mol eener, der sagt, dass unser Sprooch schee is.
Danke

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Von ä reigeplaggdi am Freitag, 24.02.2012 um 10:23 Uhr

Re: Sinn Sie nädd aus Cincinnati? Sinn Sie aus Sinse?
Sinn Sie nädd aus Cincinnati? Sinn Sie aus Sinse?

Ich lieb den Dialekt hier in der Kurpfalz - ungelogen.
Er ist echt, direkt (in die Freeess) und dabei trotzdem schön melodisch...
Was ich allerdings ein bisschen vermisst hab im Artikel ist das klassische "Wääschwieschmään?" :D


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Der Artikel erschien am 21.02.2012, um 10:47
Letzte Änderung am 21.02.2012, um 11:47


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